Linux Mint – Frozen

Linux Mint friert ein? So findest du die Ursache – und behebst sie dauerhaft

Wenn ein Linux-System nach und nach ruckeliger wird und schließlich komplett einfriert, ist das nicht nur nervig, sondern oft ein Zeichen für ein konkretes, lösbares Problem. In diesem Beitrag zeige ich, wie ich einen solchen Fall bei Linux Mint diagnostiziert und dauerhaft gelöst habe.

Das Symptom

Das System wurde im laufenden Betrieb spürbar langsamer, bis es schließlich vollständig einfror – kein Mausklick, keine Tastatureingabe hatte mehr eine Wirkung. Ein normaler Neustart war nicht mehr möglich. Zurück blieb nur die sogenannte REISUB-Tastenkombination (Alt+Druck gehalten, dann nacheinander REISUB), mit der sich der Kernel kontrolliert zum Neustart zwingen lässt, wenn gar nichts mehr geht.

Der Blick ins Log

Um herauszufinden, was den Absturz verursacht hat, lohnt sich ein Blick in die Systemprotokolle der letzten Sitzung vor dem Freeze:

journalctl -b -1 -k | tail -200

-b -1 wählt den vorherigen Boot-Vorgang aus – also genau die Sitzung, die mit dem Einfrieren endete. -k beschränkt die Ausgabe auf Kernel-Meldungen, tail -200 zeigt die letzten 200 Zeilen.

Die Ursache: Arbeitsspeicher komplett voll

Die Auswertung zeigte ein eindeutiges Bild: Sowohl der RAM als auch der komplette Swap-Speicher waren restlos ausgelastet. Der sogenannte OOM-Killer (Out-Of-Memory-Killer) des Kernels versuchte zwar noch, einen speicherhungrigen Prozess zu beenden, griff aber offenbar zu spät ein – das System war zu diesem Zeitpunkt bereits eingefroren.

Die Lösung in fünf Schritten

  1. Combined Monitor – Linux Mint Applet welches die Systemressourcen anzeigt
  2. Auto Tab Discard für den Browser – entlädt inaktive Firefox-Tabs automatisch aus dem Speicher, ohne sie zu schließen
  3. Swap-Datei vergrößern – schafft mehr Reserve, bevor es kritisch wird
  4. earlyoom installieren – erkennt Speicherengpässe frühzeitig und greift ein, bevor das System komplett einfriert
  5. zram – legt einen komprimierten Swap-Bereich direkt im Arbeitsspeicher an

1. Erstmal beobachten: Speicherverlauf im Panel anzeigen

Bevor ich die Maßnahmen umsetzte, wollte ich zunächst kontrolliert beobachten, wie sich der Speicherverbrauch im Alltag tatsächlich entwickelt. Dafür bietet sich das Cinnamon-Applet Combined Monitor von d-atoshi an, das RAM- und Swap-Auslastung dauerhaft im Panel anzeigt:

  1. Rechtsklick auf eine freie Stelle im Panel → Applets auswählen
  2. Im Reiter Download nach „Combined Monitor” suchen
  3. Das Applet von d-atoshi anklicken und installieren
  4. Im Reiter Verwalten das Applet markieren und über + dem Panel hinzufügen
  5. Über das Zahnradsymbol lässt sich einstellen, welche Werte (RAM, Swap, CPU, Netzwerk) angezeigt werden

So lässt sich frühzeitig erkennen, wann der Speicher wieder in einen kritischen Bereich läuft.

2. Browser Extention Auto Tab Discard

Die folgende Erklärung bezieht sich auf den Firefox. Bei anderen Browser sollte es aber ähnlich sein.

Rechts oben auf das Hamburger-Menü (3 waagrechte Striche untereinander) klicken, dann <Einstellungen>. Anschliessend auf der linken Seite <Erweiterungen und Themes> und dann nach “auto tab discard” suchen. Erweitung anklicken und rechts oben <Hinzufügen>, Fertig.

3. Swap-Datei vergrößern

sudo fallocate -l 4G /swapfile2
sudo chmod 600 /swapfile2
sudo mkswap /swapfile2
sudo swapon /swapfile2
# dauerhaft eintragen:
echo '/swapfile2 none swap sw 0 0' | sudo tee -a /etc/fstab

4. earlyoom installieren

sudo apt install earlyoom
sudo systemctl enable --now earlyoom

5. zram zusätzlich zur Swap-Datei installieren

Eine interessante Ergänzung zur klassischen Swap-Datei ist zram. Statt Daten auf die Festplatte oder SSD auszulagern, legt zram einen komprimierten Swap-Bereich direkt im Arbeitsspeicher an. Muss der Kernel Speicher auslagern, wird er dabei komprimiert (meist mit LZ4 oder Zstd) und bleibt im RAM – nur eben in platzsparender, komprimierter Form.

Vorteile gegenüber einer reinen Swap-Datei:

  • Deutlich schneller, da kein Zugriff auf Festplatte/SSD nötig ist
  • Effektiv mehr „gefühlter” Speicher – bei einer Kompressionsrate von etwa 2:1 bis 3:1 wirken z. B. 2 GB zram wie 4–6 GB zusätzlicher Speicher
  • Schont die SSD, da weniger Schreibzyklen anfallen

Der einzige Nachteil ist eine leicht erhöhte CPU-Last durch Kompression und Dekompression – bei modernen Mehrkern-CPUs in der Regel aber kaum spürbar.

Einrichtung unter Linux Mint:

sudo apt install zram-tools

Anschließend die Konfiguration anpassen:

sudo nano /etc/default/zramswap

Wichtige Optionen darin:

ALGO=zstd
PERCENT=50

PERCENT=50 bedeutet, dass zram die Hälfte des vorhandenen RAM als komprimierten Swap-Bereich zugewiesen bekommt – durch die Kompression passt effektiv aber deutlich mehr hinein.

Danach den Dienst neu laden:

sudo systemctl restart zramswap

Mit swapon --show sollte anschließend neben der klassischen Swap-Datei ein zusätzlicher Eintrag /dev/zram0 erscheinen.

Am sinnvollsten ist meist eine Kombination aus beidem: zram als schnelle erste Instanz (mit höherer Priorität) und die klassische Swap-Datei als Fallback, falls auch zram nicht ausreicht. zram erhält dabei standardmäßig eine höhere Priorität und wird vom System bevorzugt genutzt.

Fazit

Ein einfrierendes Linux-System ist selten „einfach kaputt” – meist steckt eine konkrete, im Log nachvollziehbare Ursache dahinter. Mit etwas mehr Swap-Reserve, einem Tool wie earlyoom, das frühzeitig eingreift, und einer sichtbaren Speicherüberwachung im Panel lässt sich das Problem in den meisten Fällen dauerhaft in den Griff bekommen.


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